REde des Jahres

Eine Übersicht

Rede des Jahres 2019

“Europa einen und stärken” – Ursula von der Leyen erhält die Auszeichnung zur Rede des Jahres 2019

Sie erhält die Auszeichnung für ihre Wahlrede vor dem Europäischen Parlament am 16. Juli 2019. Die Rede ist ein eindrucksvolles und glaubwürdiges Bekenntnis zu Europa, ein Beweis für die Integrationskraft der Idee „Europa“ und ein engagiertes Plädoyer für eine europäische Wertegemeinschaft. 

Ursula von der Leyen hatte nicht die besten Ausgangsbedingungen für ihre Bewerbung zur EU-Kommissionspräsidentin. Bis zur Abstimmung war offen, wie sich das Europäische Parlament entscheiden würde. In dieser krisenhaften Situation gelingt es von der Leyen jedoch in vorbildlicher Weise, Überzeugungsarbeit zu leisten, für ihr Programm zu argumentieren und für Europa zu werben.

In ihrer halbstündigen Rede kämpft sie für eine Erneuerung Europas und bezieht deutlich Position zu aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Brexit. Pointiert deutet sie die Einigung Europas als ein „gewaltiges Werk“ und beschwört das Parlament, Europa zu einen und zu stärken. Unter Beifall erklärt sie den Klimaschutz zu einer zentralen Herausforderung und wirbt überzeugend für einen „Green Deal“.

Von der Leyen spricht engagiert und wohl artikuliert, sie zeigt mit einer akzentuierten Gestik und Körperhaltung, wie wichtig ihr Europa ist. Ihre in drei Sprachen gehaltene Rede (Französisch, Englisch, Deutsch) ist ein Muster für die Realität der politischen Rede in der vielsprachigen Europäischen Union und illustriert damit die kulturelle Vielfalt des Kontinents in souveräner Weise. In Zeiten von starker Polarisierung setzt von der Leyen auf die integrative Kraft Europas, wirbt für Einheit und Zusammenhalt.

Am Ende der Rede steht der emotionale Ausruf „Es lebe Europa!“, ein Appell, der aus tiefstem Herzen zu strömen scheint. Damit war ihr nicht nur der Applaus der Abgeordneten sicher, sondern auch die Mehrheit der Stimmen (383 von 747).

Eine ausführliche Analyse der Rede vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen finden Sie hier.

Ein Video der Rede finden Sie hier.

Rede des Jahres 2018

Grünen-Politiker Cem Özdemir erhält die Auszeichnung zur Rede des Jahres 2018

Özdemir erhält die Auszeichnung für seinen fulminanten Debattenbeitrag im Deutschen Bundestag vom 22. Februar 2018. Darin rechnet er mit einem von der AfD gestellten Antrag ab, der darauf abzielte, den kurz zuvor freigelassenen Deniz Yücel zu maßregeln. Vehement verteidigt Özdemir den Verfassungsgrundsatz der freien Meinungsäußerung und weist die AfD in die Schranken. Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen hält Özdemirs Rede für ein eindrückliches Plädoyer für eine offene Gesellschaft, gegen Ausgrenzung und Spaltung.

Scharfzüngig und emotional begegnet Cem Özdemir dem Antrag der AfD. Özdemir schafft es, eine entschlossene Verteidigung des Grundgesetzes mit einem Angriff auf den vermeintlichen Patriotismus der AfD zu verbinden und umreißt Grundzüge eines Verfassungspatriotismus, der ohne Spaltung und Ausgrenzung auskommt.

Stilistisch bringt Özdemir sein Anliegen mit Pointen, Zuspitzungen und anschaulichen Beispielen zum Ausdruck. Emotional und gleichzeitig argumentativ fundiert entkräftet er Positionen der AfD und erhält dafür die Zustimmung aller anderen Fraktionen. Mit ciceronianischer Wucht vermittelt er sein Anliegen äußerst lebendig, wirkt dabei authentisch und glaubwürdig. Er stellt den politischen Gegner, indem er den Antrag der AfD ernst nimmt, ihn nicht als Lappalie abtut, sondern als einen nicht zu akzeptierenden Angriff auf das Grundgesetz entlarvt.

Mit seinem Debattenbeitrag hat Özdemir gezeigt, wie wirksam und kraftvoll eine Parlamentsrede sein kann, wenn ein Redner mit Überzeugung und Leidenschaft antritt – ein herausragendes Beispiel dafür, wie man den Populisten im Parlament die Stirn bieten kann.

Eine ausführliche Analyse der Rede vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen finden Sie hier.

Ein Video der Rede finden Sie hier.

Rede des Jahres 2017

DFG-Präsident erhält die Auszeichnung zur Rede des Jahres 2017

Die Rede „Über Wissenschaft in Zeiten des Populismus“ von Professor Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, wurde vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zur Rede des Jahres 2017 gekürt. In seiner Rede bei der Jahresversammlung der DFG am 4. Juli 2017 in Halle (Saale) verurteilt Strohschneider die derzeitigen globalen, populistischen Strömungen aufs Schärfste. Gleichzeitig fordert er eine selbstkritische Reflexion der heutigen Wissenschaftspraxis.

Wir von der Rhetorik Akademie Tübingen finden die Vergabe der Auszeichnung Rede des Jahres an Dr. Strohschneider aus folgenden drei Gründen gut:

Strohschneider analysiert das derzeitige Phänomen des Populismus und des Anti-Intellektualismus sehr präzise und zeigt argumentativ schlüssig die Folgen und Risiken auf, die diese gesellschaftliche Entwicklung für den Wissenschaftsbetrieb hat.

Er appelliert an das anwesende Publikum und sieht die Wissenschaft in der Verantwortung, sich durch qualitativ hochwertige Forschung zu legitimieren und verstärkt vom Populismus abzugrenzen.

 Dadurch, dass er die Rede als Präsident der DFG hält, sticht ein Standpunkt aus seiner Rede besonders hervor: Der Wert der Wissenschaft solle nicht überschätzt werden. Strohschneider differenziert hier klar zwischen Politik und Wissenschaft, zwischen Demokratie und „szientokratischen“ Anwandlungen, zwischen Legitimation durch Mehrheit und Verfassung und Legitimation durch eine vermeintliche „Instanz des Wahrheitsbesitzes“. 

Damit liefert er eine scharfsichtige und zugleich differenzierte Analyse der gegenwärtigen politischen Lage und ihrem Verhältnis zur Wissenschaft, wie sie nur selten zu finden ist.

Eine ausführliche Analyse der Rede vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen finden Sie hier: http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/2017/12/18/auszeichnung-rede-des-jahres-2017-geht-an-dfg-praesident-professor-dr-peter-strohschneider/

Ein Video der Rede finden Sie hier: http://mediathek.dfg.de/video/rede-des-dfg-praesidenten-peter-strohschneider-festveranstaltung-2017/ 

Rede des Jahres 2016

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert erhält die Auszeichnung zur Rede des Jahres 2016

Die Rede zum Tag der Deutschen Einheit von Professor Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags, wurde vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zur Rede des Jahres 2016 gekürt. Seine Rede am 3. Oktober 2016 in der Dresdner Semperoper ist ein Paradebeispiel für eine politische Festrede. 

Wir von der Rhetorik Akademie Tübingen finden die Vergabe der Auszeichnung Rede des Jahres 2016 an Dr. Lammert aus folgenden drei Gründen gut:

Lammert steht vor der großen situativen Herausforderung, eine Lobrede am Tag der Deutschen Einheit zu halten, während draußen vor dem Semperoper tausende Demonstranten ihre Stimme bei Protestmärschen dagegen erheben. Die angespannte Stimmung oder auch der von den Demonstranten verursachte Lärm, der bis ins Innere des Gebäudes dringt, sind unvorhergesehene Widerstände, die er mit seiner Rede überwinden muss. 

Bei seinem kraftvollen Plädoyer für die Einigkeit und Vielseitigkeit in Deutschland bleibt er stets ehrlich. Dass er die Kritik der Demonstranten nicht nur wahrnimmt, sondern auch in die Rede mit einbaut, zeigt, dass er sich als Redner aufrichtig mit der politischen Gegenmeinung beschäftigen will. Seine Analyse zur politischen Lage in Deutschland ist kritisch und differenziert. Genau diese Ehrlichkeit macht sein positives Resümee so glaubwürdig.

Durch eingebaute Erzählungen gestaltet Lambert seine Rede äußerst anschaulich. Bewegende Geschichten, wie die eines Widerstandskämpfers oder Kriegsflüchtlingen im Zweiten Weltkrieg, wecken starke Emotionen bei den Zuhörern. Aber auch Lambert selbst lässt sich von den durch die Erzählungen hervorgerufenen Bilder mitreißen. In seiner emotionalen Ergriffenheit warb er für Demokratie, Freiheit und Weltoffenheit.

Lammert zeigt, wie kraftvoll und wirkungsmächtig eine besonnene und überlegte Rede sein kann. Sie wurde von den Medien vielfach aufgegriffen und als „Ruck-Rede“ betitelt, die sich stark und deutlich gegen die Proteste positioniert, ohne dabei schrill oder belehrend zu wirken.

Eine ausführliche Analyse der Rede vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen finden Sie hier: http://www.rhetorik.uni-tuebingen.de/2016/12/21/auszeichnung-rede-des-jahres-2016-geht-an-bundestagspraesident-norbert-lammert/ 

Ein Video der Rede finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=Jr1iBELR4kA